(Ciao) Winterblues!
- Unknown Diarie
- 9. März
- 4 Min. Lesezeit

Liebes Tagebuch,
was für eine Winterphase, die sich langsam ein Glück dem Ende neigt.
Jedes Jahr, wenn der schöne Herbst sich langsam in trübes grau gen Winter neigt, kann ich zu gucken, wie meine Leistungskurve sinkt und das in allen Bereichen meines Lebens. Gefühlt stürze ich in ein Loch. Ich weiß nicht, ob Winter“depression“ zu hoch gegriffen ist, aber müsste ich es mit einem Wort beschreiben, würde ich dieses Wort wählen.
Bitte sag mir, dass es anderen auch so ergeht und ich nicht alleine damit bin. Es beginnt damit, dass ich ständig müde bin, egal wie viel ich schlafe. Und auf einmal brauche ich auch doppelt und dreifach so viel Schlaf, als vorher. Ich komme morgens eh schon schwer aus dem Bett, aber im Winter ist es einfach noch schlimmer / schwerer. Während ich morgens sonst ca. 45 Minuten brauche, bis ich zur Arbeit aufbreche, verdoppelt sich auch hier die Zeit, weil ich einfach nicht in die Gänge komme. Während ich sonst nach der Arbeit noch gesportelt habe, fühle ich mich nach einem normalen Arbeitstag auf einmal K.O. Das Bedürfnis mich noch mit anderen zu verabreden sinkt. Ich möchte einfach nur auf meine Couch und nichts tun. Komischerweise fällt mir auch Ordnung halten viel schwerer, weil ich wirklich so gar keinen Elan verspüre, irgendwas zu tun. Pakete wegbringen, zur Bank fahren, Kleinigkeiten erledigen, all das wird aufgeschoben, bis ich es machen muss. Mich zu konzentrieren fällt mir schwerer, mein Gesprächsbedarf ist schneller gedeckt, ich fühle mich schneller von Situationen oder Menschen genervt…Fast alles fühlt sich auf einmal wie eine Herausforderung für mich an. Warum ist das so? Schaue ich in den Spiegel, habe ich das Gefühl um Jahre gealtert zu sein. Wer ist diese Frau?
Jeden Tag nehme ich mir gedanklich vor, was ich am Folgetag erledigen / schaffen möchte. Jeden Tag nehme ich mir vor, wieder Sport zu machen. Jeden Tag nehme ich mir vor, weniger Süßigkeiten zu essen, allgemein vielleicht wieder etwas mehr auf meine Ernährung zu achten. Jeden Tag ….Aber ich schaffe es nicht. Anstatt einfach den Po hoch zu bewegen und den inneren Schweinehund zu überwinden, wie ich es sonst auch tue, bleibe ich bequem. Anstatt einfach meine Routinen, die ich geschaffen habe, weiter zu führen, werden die alle auf einmal über Bord geworfen. Das Leben steht Kopf. Und all das trägt natürlich nicht zur Verbesserung meiner Laune bei. Im Gegenteil. Ich bin unzufrieden mit mir und meinem Körper, ich bin frustriert. Ich frage mich, was genau gerade mein Problem ist und was mit mir nicht stimmt. Ich frage mich, wie andere das machen bzw. ob ich die einzige bin, die gerade struggled. Manchmal ziehe ich auch in Erwägung, dass ich mich und meinen Körper im Sommer vielleicht einfach zu sehr strapaziere und das die Retourkutsche ist. Oft denke ich in dieser Phase auch, dass ich wohl lieber hätte ein Eichhörnchen werden sollen, welches in den dunklen Monaten Winterruhe hält und lediglich zum Futtern aufwacht.
ABER, ist das Schlimmste erst mal überstanden, merke ich, wie auch ich ganz langsam wieder aus meiner ‚Höhle‘ gekrochen und auf Betriebstemperatur komme. Die wärmeren Temperaturen, die Sonnenstrahlen lassen mich direkt lebendig(er) fühlen. Sie lassen mich lächeln, schenken mir Kraft und mehr Elan. Es breitet sich langsam aber sicher eine gewisse Positivität in mir aus. Ganz langsam kommen dann auch meine verloren gegangene Energie und mein Tatendrang zurück. Mein Fokus verändert sich. Das nennt man dann wohl Frühlingserwachen. Aus trüb und grau wird sonnig und blau. Die Bäume bekommen wieder mehr Blätter und beginnen zu blühen und das Gras wird richtig frisch grün. Auch der Blick in den Spiegel verändert sich. Die Haare werden wieder öfter anders frisiert, statt immer nur der olle Zopf, das gute Parfum wird aufgelegt, die Nägel werden lackiert, das Gesicht wird leicht geschminkt, statt einer Tonne Make up zu verwenden, die, die Augenringe der letzten Tage/Monate kaschieren sollten. Die gute Laune Musik wird ausgepackt, kräftig mitgesungen, während parallel zu Hause aussortiert wird, ähnlich wie Frühjahrsputz. Der Akku wird wieder mit Strom versorgt. Nach und nach ‚kämpfe‘ ich mich ins Leben zurück und tue wieder Dinge, die mir Spaß machen. Ich beginne wieder langsam zu sporteln, schmiede Pläne für die nächsten Wochen / Wochenenden, setze mir neue Ziele und auch auf Arbeit lege ich wieder eine ganz andere Motivation an den Tag. Das wiederum erfüllt mich mit einer Portion Zufriedenheit. Und das ist erst der Anfang. Die Kurve steigt. Geht die Kurve erst mal wieder richtig steil, bekommt der Eine oder Andere das Gefühl, dass ich zum Duracell Häschen mutiere. Schlaf? Wird völlig überbewertet. Auf dem Sofa chillen? Nur ungern! Das ist die Frau, die ich mag und sein möchte. Aber eben bitte das ganze Jahr und nicht nur über einen gewissen Zeitraum. Jedes Jahr stelle ich mir erneut die Frage, was ich machen kann, um nicht in dieses 'Loch' zu fallen. Jedes Jahr versuche ich dem Winterblues zu trotzen und doch knicke ich irgendwann ein. Mir würde es schon reichen, wenn ich wenigstens 80% meiner Leistung beibehalten würde, da es ziemlich anstrengend ist, jedes Jahr von ‚vorne‘ zu starten. Gerade beim Sport ist es immer besonders ärgerlich. Bisher habe ich leider nicht den passenden Weg, die Musterlösung, den Knopf gefunden, den ich in mir drücken muss, aber ich gebe nicht auf. Jetzt freue ich mich erst mal, auf die gute Phase.
Comentarios