Der Termin beim Facharzt
- Unknown Diarie
- 22. Aug. 2024
- 8 Min. Lesezeit
Es handelt sich hier um Teil 2 vom Blog Girlstalk: Unterleibsschmerzen

Da saß ich nun. Im Warteraum im xxxxxx Klinikum, um beim Facharzt zur Endometriose und Myomsprechstunde vorstellig zu werden. Innerlich war ich darauf eingestellt, dass ich vermutlich eh keine neuen Erkenntnisse mitnehmen werde, da ich bereits bei zig Ärzten gewesen bin. Wie so oft musste ich anfangs einen Patientenbogen ausfüllen. Ich habe mich schon oft gefragt, warum diese Dinger befüllt werden müssen, da ich meistens all das erneut von einer Schwester abgefragt werde. Ich wurde von einer Schwester abgeholt, in einem Arztzimmer platziert und sollte erzählen, was genau für Beschwerden ich hatte. Also fing ich an ihr all das herunter zu beten, was ich schon unzählige Male erzählt habe. Im Laufe der Anamnese kam der Arzt hinzu. Ich war noch nicht mal richtig fertig mit erzählen, vermutete der Arzt schon eine Endometriose hinter den Symptomen. Als ich ihm sagte, dass ich bereits eine Bauchspiegelung hatte und nichts gefunden wurde, stutzte er und meinte, dass das komisch ist. Als er nach dem Befund fragte und ich ihm erklärte, dass man lediglich Verwachsungen aus meinem Bauchraum entfernt hat, wollte er den OP-Bericht sehen. Dann sagte er, dass auch Verwachsungen im Bauchraum ein Anzeichen für Endometriose sein können. Schließlich kämen die Verwachsungen nicht von ungefähr, sowas hätte immer eine Ursache. Nun gut, schließlich wollte und musste er mich untersuchen, um mehr sagen zu können. Also ging’s los. Er machte einen Ultraschall, guckte auf seinem kleinen Bildschirm und ich durfte geradezu über einen XXL Fernseher mitgucken. Es fing schon einmal damit an, dass ich eine abgeknickte Gebärmutter habe. Das war mir bewusst, da ich das bisher von so ziemlich vielen Ärzten vernommen habe. Was mir niemand sagte, ist, dass das in meinem Fall etwas Negatives ist. Durch den Knick sammelt sich dort das Blut der Periode. Ich sollte es mir wie ein Säckchen vorstellen. Dadurch kann das Blut schlechter abfließen, weswegen ich mich eigentlich auf den Bauch legen müsste, damit das Säckchen nach vorne kippt und das Blut besser abfließen könnte. Bei einem Kinderwunsch könnte sich die Eizelle schwieriger einnisten und last but not least konnte er einfach nicht zu 100% untersuchen, weil er ab dem Knick nichts mehr richtig sehen konnte. Mit der Gebärmutter an sich, war alles ok. Danach betrachteten wir die Eierstöcke. Vorerst beide und erst mal nur oberflächlich. Dabei fiel dem Arzt auf, dass ich in seinen Augen zu viele Follikel an den Eierstöcken habe, was auf ein polyzystisches Ovarsyndrom hinweisen könnte. Das bedeutet, dass Frauen meist keinen richtigen Eisprung und Zyklusstörungen haben. Es werden zu viele männliche Geschlechtshormone im Körper produziert. Frauen, die sowas haben, sind in der Regel üppiger gebaut und haben kein Becken, was nicht ausschließt, dass es auch andere Frauen betreffen kann. Das wäre wohl einfach zu lösen. Danach untersuchte er die Eierstöcke genauer. Erst den rechten und dann den linken. Da ich nur links Schmerzen verspürte, sollte ich ihm auch genau sagen, wann es weh tut. Tja…was fiel sofort auf? Die Eierstöcke schwirren normalerweise lose in der Gebärmutter herum. Somit konnte er zwischen dem rechten Eierstock und der Gebärmutter(wand) mit seinem Gerät hin und her wandern, der Eierstock bewegte sich entsprechend und nichts tat weh. Links ging es nicht. Er erklärte es am Beispiel einer Feder. Presst man die Feder zusammen, schnippst sie zurück. Es wird ein gewisser Druck, eine Spannung erzeugt und genau das passiert am linken Eierstock. Er konnte nur bis zu einem bestimmt Punkt gehen, spürte einen Widerstand, dieser war auch auf dem Bildschirm sichtbar und es tat mir weh, ähnlich, wie wenn ich meine Tage kriege. Irgendwas schien also verklebt oder verwachsen zu sein. Ich habe an / in dieser Stelle Flüssigkeit, die nicht dort sein sollte. Zwar nur minimal, aber sie war da. In der Nähe meines Eierstocks befand sich noch etwas. Der Arzt verglich es mit einem kleinen Fähnchen. Er konnte nicht sagen, ob das vielleicht noch ein Rückstand meiner ursprünglichen Bauchspiegelung war oder allgemein, was es ist. Danach befragte er mich zu meinem Stuhlgang und meinem Darm. Ich erklärte ihm, dass ich zwar schlecht auf die Toilette konnte, dass im Darm an sich aber alles ok ist, weil ich vor meiner Bauchspiegelung alles bei einer Darmspiegelung abchecken lassen sollte. Fehlanzeige! Eine Endometriose kann ich sich auch am Darm ansiedeln und in den Darm fressen. Da der Darm, ähnlich wie unsere Haut, mehrere Schichten hat, kann es sein, dass sich der Entzündungsherd vielleicht erst durch 2 von 4 Schichten gebohrt hat, weswegen man im Darm selber nichts erkennt. Somit bekommen 10 von 10 Frauen die Information, dass nichts Auffälliges entdeckt wurde und 8 von 10 Frauen haben dennoch etwas. Verrückt oder? Könnt ihr euch an meine abgeknickte Gebärmutter erinnern? Der Arzt konnte leider den Darm und alles hinter dem Knick schwer untersuchen, um hier evtl. noch weitere Schlüsse zu ziehen. Ich fragte den Arzt, wie es denn überhaupt sein kann, dass ich das in jungen Jahren und während ich die Pille genommen habe, nicht bemerkt habe. Erst als ich die Pille abgesetzt habe, ging es mit den Schmerzen los. In jungen Jahren ist der Körper noch nicht vollständig ausgereift, weswegen es dort sein kann, dass ich deswegen nichts verspürt habe. Mit der Einnahme der Pille, habe ich meinem Körper zusätzliche Hormone zugespielt, weswegen auch hier die Schmerzen nicht spürbar waren und mein Zyklus im Fluss. Da mein eigener Körper evtl. nicht genug Östrogene oder andere Hormone produziert, kommt es zu den Schmerzen, die vorher nicht da waren. Frauen im Mittelalter hatten mit Sicherheit auch Unterleibsschmerzen, jedoch haben die Frauen meist mehrere Kinder und das in jungen Jahren geboren. In dem Moment wo ein Körper schwanger ist, haben die Eierstöcke und auch die Gebärmutter eine Ruhepause und das meist auch öfter und länger. In der heutigen Zeit bekommen Frauen eher später Kinder und tendenziell auch weniger als früher. Das bedeutet in meinem Fall, dass ich das ganze eher noch befeuere, als das der Körper evtl. Ruhe findet.
Ok! Das nenne ich eine plausible Erklärungen ohne das Gefühl zu bekommen, nicht ernst oder gar abgewatscht zu werden. Aber wie können wir jetzt mein Problem lösen?
Mir wurden mehrere Optionen angeboten.
Option 1: Ich nehme eine Pille, die den Zyklus dauerhaft unterdrückt, meinen Körper bzw. meine Eierstöcke und meine Gebärmutter in einen Schwangerschaftszustand versetzt. Klingt simpel, ist es vielleicht auch, doch kann die Pille starke Nebenwirkungen hervorrufen, bis hin zu kleinen Wesensveränderungen führen. Gut, vielleicht treten die Nebenwirkungen auch nicht ein oder nur so minimal, dass ich damit leben könnte. Diese Option könnte ich 4 bis 6 Monate probieren. Kürzer wäre keine Empfehlung, da sich der Körper daran gewöhnen muss. Hm…ich weiß noch nicht genau, was ich davon halten sollte.Ich habe früher von kurzer Dauer die Anti-Baby-Pille genommen. Die hat schon die eine oder andere Nebenwirkung mit sich gebracht. Als ich sie abgesetzt habe, hat es fast 1 Jahr gedauert, bis ich wieder meine Tage bekommen habe. Da stelle ich mir die Frage, wenn ich Kinder möchte und die Pille dauerhaft nehme, was ist dann? Wenn ich sie absetze: Wie lange wird es dauern, bis der Körper wieder im Einklang ist? Habe ich dann ad hoc wieder so schlimme Schmerzen?
Option 2: Ich lasse mir eine Spirale einsetzen. Die setzt dem Körper ebenso Hormone zu, jedoch bedeutend weniger, als die Pille und ich hätte eine Art regelmäßigen Zyklus. Der Arzt würde mir diese auch kostenfrei einsetzen, so dass ich nur die Spirale selbst zahlen müsste, sofern mein Frauenarzt zustimmt. Warum muss der Frauenarzt zustimmen? Weil der Frauenarzt damit sein Geld verdient, während dieser Spezialist lediglich einen Obulus von der Krankenkasse erhält. Er würde dem Frauenarzt sogar empfehlen es nicht selbst zu machen. Durch meine abgeknickte Gebärmutter ist es wohl schwierig(er) eine Spirale einzusetzen.
Option 3: Ich lasse eine erneute Bauchspiegelung durchführen, beispielsweise von ihm. Er wollte mir das Uniklinikum xxxx nicht madig machen, jedoch sind die Ärzte keine Fachspezialisten in diesem Themengebiet. Möglicherweise wurde nicht alles gesehen, möglicherweise hat sich der Arzt nicht getraut bestimmtes Gewebe (noch) zu entfernen, weil er nicht wusste inwieweit es Auswirkungen haben könnte usw. Als ich fragte, wie oft ich mich einer Bauchspiegelung unterziehen soll, konnte er meine Bedenken verstehen, aber ja, was sollte er mir darauf antworten? Als ich schon halb davor stand zu sagen, dass wir diese Option nehmen, schaute er mich eindringlich an. „Frau Diarie nur damit wir uns nicht missverstehen, selbst wenn sie sich einer erneuten Bauchspiegelung unterziehen, selbst, wenn wir was finden und all das entfernen, müssen Sie danach trotzdem eine Schmerztherapie machen. Sie werden danach trotzdem weiterhin Schmerzen haben.“
Stille …. ‚Ooooh…‘ Genau das wollte ich nicht hören.
Er bot mir an, sofern ich die Bauchspiegelung wählen würde, dass er mir im selbigen Atemzug gleich die Spirale mit einsetzen könnte. Ich merkte, dass ich etwas gefrustet war und kurzzeitig resignierte. Ich möchte die Schmerzen los werden, aber die Frage ist: Zu welchem Preis. Was ist die beste Option? Was testet man zuerst? ‚Ruhig atmen, Unknown und erst mal sacken lassen.‘
Und ja, es gibt noch eine 4. Option: Wir schneiden die Gebärmutter ab, sofern mein Kinderwunsch abgeschlossen ist. Auch hier erklärte der Arzt sehr bildlich, dass ich mir einen Baum mit Krone, Stamm und Wurzel vorstellen sollte. Man schneidet direkt an der Wurzel den Stamm ab, was bedeutet, ich hätte keine Eileiter, keine Eierstöcke und auch keine richtige Gebärmutter mehr. Natürlich würde er sich das unterschreiben lassen, damit ich nicht später sagen könnte, ich wollte es nicht. Der Arzt fragte mich, ob ich mir Kinder wünsche. Ich antwortete nur, dass ich es einfach nicht fühle, worauf zurückkam, dass die Mütter, meist die besten Mütter werden. ‚Na herzlichen Dank auch.‘Meine Chancen sind eh nicht die allerbesten….‚Es wird gerade nicht besser…‘ Natürlich könnte ich auch alles so lassen, wie es ist und mich monatlich durchquälen, es ist meine Entscheidung. Ich merkte, wie mir das kurz zu viel wurde. Ich musste das alles erst mal sacken lassen und wollte einfach nur noch weg. Ich hörte mir noch alles an, was der Arzt sagte, vernahm aber nicht mehr alles. Er bereitete den ‚Brief‘ für meine Frauenärztin vor und gab mir alles mit.
Zurück im Auto: Es gibt Momente im Leben, wo man DIESE EINE Person anrufen möchte, es aber nicht kann. Den ganzen restlichen Tag arbeitete dieser Termin in mir. ‚Was soll ich tun? Was ist „schlau“? Wo habe ich vielleicht direkt den meisten Nutzen und die meisten Erfolgschancen?‘ Und ja, ich dachte auch darüber nach, einfach alles zu beenden und die Gebärmutter einfach abzuschneiden. Je länger der Tag ging und alles sackte, desto mehr Fragen taten sich auf. Kennt ihr das? Als Beispiel: Wenn man die Gebärmutter abschneidet, stürze ich danach in der Sekunde in die Wechseljahre und altere schneller? Wenn die Pille wirkt, muss ich trotzdem erneut eine Bauchspiegelung machen lassen oder erneut abchecken lassen, ob der Darm angegriffen ist? Besteht die Gefahr, dass sich mit der Pille die Herde weiter ‚bewegen‘ bzw. weiter (durch)‚fressen‘. Was habe ich, wenn diese Pille nicht wirkt? Wirkt die Pille nicht, ist die Option mit der Spirale vermutlich auch gestorben, oder? Usw. Ich konnte all diese Informationen gar nicht so schnell verarbeiten, derweil hätte ich gern all diese Fragen im Termin noch gestellt. Ich beschloss mir noch mal einen Termin bei meiner Frauenärztin zu holen und ihr diese Fragen zu stellen, sie muss es schließlich auch wissen. Da der Spezialist mir keinen ‚Rat‘ geben wollte, was er tun würde, hoffte ich auf meine Frauenärztin. Im Endeffekt bliebe es meine Entscheidung. Wie der Termin mit meiner Frauenärztin verlaufen ist und was bzw. ob irgendeine Option für mich in Frage kommt, erzähle ich euch in Teil 3.
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