Gänseblümchen und wir Menschen
- Unknown Diarie
- 30. Aug. 2024
- 3 Min. Lesezeit

Liebes Tagebuch,
Gänseblümchen sind alle gleich, sollte man meinen. Sie benötigen alle dasselbe um (über)leben zu können. Sonne, Wasser, ein nährreicher Boden, Wiese …Und dennoch sind sie alle unterschiedlich. Oder nicht? Eins ist größer, das andere hat mehr Blütenblätter, das eine ist weiß(er) und das andere hat am Rande seiner Blütenblätter einen zarten Roséton. Eins ist mehr geöffnet, „strahlt“ mehr und wiederum ein anderes hat dafür einen größeren Staubbeutel. Gänseblümchen existieren trotzdem alle friedlich auf einer Wiese. Wie sieht das bei uns Menschen aus? Ist es nicht genauso, wie mit den Gänseblümchen? Wir sind auch irgendwie gleich und dennoch verschieden, angefangen von der Hautfarbe, Haarfarbe, Augenfarbe bis hin zu unserem Charakter und unseren Vorlieben. Unsere Gemeinsamkeiten: Im besten Fall haben wir alle einen Kopf, Arme und Beine (Ausnahmen bestätigen die Regeln). Wir alle tragen dieselben Organe in uns, die uns lebensfähig machen. Wir alle benötigen dieselben Grundzutaten, um gut leben zu können. Wasser, Nahrung, möglichst ein Dach über dem Kopf, ein kleines bisschen Sonne für unser Gemüt, Liebe, Harmonie und unsere Erde. Und dennoch: Gott hat uns ein Gehirn, die Schrift und auch die Sprache geschenkt. Und so kommt es viel zu oft zu Streit, Vorwürfen, Missverständnissen, Machtkämpgen, Missgunst, Neid und Hass zwischen Menschen. Es gibt viele Gruppen von Menschen, zwischen denen eine unglaublich große Kluft herrscht. Oft frage ich mich, warum wir nicht alle mehr an einem Strang ziehen können. Stattdessen sind wir alle nur auf unser eigenes Wohl bedacht. Wir „bekämpfen“ uns gegenseitig und stecken unsere Nase in Angelegenheiten, die uns nichts angehen. Wir vergleichen uns ständig mit anderen, sind selten zufrieden mit dem, was wir haben.
Ich springe mal kurz in den Social Media Bereich, da dieser immer mehr Platz im Leben unserer Menschen einnimmt. Hier gibt es oft ungefragt Hasskommentare oder Kommentare wie man zu leben hat, die niemandem weiterhelfen, eher im Gegenteil. Ich bin für freie Meinungsäußerung und Kritik, so wohl positiv, als auch negativ. Aber bitte freundlich. Bitte nicht vorwurfsvoll oder gar beleidigend. Bitte mit mehr positiver Energie, motivierend, inspirierend, einfach hilfreich. Ein Austausch, der stattfindet, wo man voneinander profitiert. Der eine ist dick, der andere hat eine schiefe Nase, der eine hat ein Axolotl und lebt polyamore und wiederum ein anderer lebt auf der Straße, obwohl er es nicht muss. Ja und? Wir müssen das, was andere tun, wie sie leben und aussehen, alle nicht gut finden, aber wir müssen uns deswegen trotzdem nicht haten. Stattdessen einfach die Klappe halten und an seine eigene Nase fassen. Unseren Lebensstil möchte sicher auch nicht jeder nachahmen. Respekt und Akzeptanz wären toll, genau wie gegenseitige Unterstützung und Support. Und manchmal vielleicht auch einfach mehr Verständnis. Ich glaube, dass vieles auch der „Gesellschaft“ geschuldet ist. Fällt man ein Stück aus dem Raster, wird man sofort abgestempelt, derweil entfaltet man sich doch nur so, wie man es für richtig hält. Schließlich steht nirgendwo geschrieben, wie man zu leben hat, geschweige denn, welche Charaktereigenschaften die richtigen sind. Was jeder in seinen eigenen 4 Wänden tut oder über wen er spricht, sei mal dahingestellt. Wir haben uns schließlich alle schon mal über Person xy unterhalten. Eins ist Fakt: Wir sind und bleiben alle Menschen, mit unterschiedlichen Lebensstilen, Gefühlen, Gedanken und Werten, ABER wir benötigen alle dieselben (Grund)Bausteine um (über)leben können. Warum können wir also nicht friedlich wie Gänseblümchen Co-existieren, liebes Tagebuch?
Das frage ich mich immer wieder, aber der Mensch muss immer meckern und unzufrieden sein. Das scheint zu unserer Natur dazu zu gehören und das ist so schade. Hier gönnt sich keiner was... dabei könnte es so viel einfacher sein.