In 3 Wochen zum Halbmarathon
- Unknown Diarie
- 8. Nov. 2024
- 5 Min. Lesezeit
Liebes Tagebuch,
wie fange ich am besten an… .
Als erstes musst du wissen, dass ich normalerweise regelmäßig joggen gehe. Natürlich gab es immer mal kleine ups and downs, aber mein Level war trotzdem recht konstant. 10 - 15Km aus der Hüfte laufen, stellte meist nie ein Problem dar. Und doch gab es einen Einbruch. Ich habe keine Ahnung, wann es genau angefangen hat. Mehrere Monate zogen ins Land, in denen ich nicht einmal gelaufen bin. Ganz selten schaffte ich es mich aufzuraffen und mal eine kleine Runde von knapp 5 bis 6 Km zu joggen. Statt wieder mehr am Ball zu bleiben, ließ ich es danach direkt wieder (oder sollte ich „weiter“ sagen…) schleifen.

Mein Arbeitskollege und Kumpel erinnerte mich daran, dass wir uns dieses Jahr (2023) eigentlich zum Halbmarathon anmelden wollten. Ich wollte das schon die letzten 2 Jahre tun und hab es einfach nie gemacht. An Karfreitag (07.04.2023) schaffte ich es seit einiger Zeit mal wieder meine Laufschuhe anzuziehen und eine kleine laufrunde zu absolvieren. Es fühlte sich gut an und ich hatte auch weniger Muskelkater, als erwartet. Beim Laufen kann ich immer gut nachdenken, abschalten, den Kopf frei bekommen oder Ideen entwickeln. Wie aus dem nichts pflanzte sich die abstruse Idee in meinen Kopf beim nächsten Halbmarathon (doch noch) dabei zu sein. Als ich sah, wann der nächste Halbmarathon sein sollte (23.04.2023) wurde mir kurz mal anders. Ich hatte nicht mehr viel Zeit und war auch sehr unsicher, ob ich bis dahin (wieder) fit werden würde, um die Strecke durchzuhalten. Da die Voranmeldung schon vorüber war, erstellte ich in meinem Kopf einen Laufplan für die Zeit bis zum Halbmarathon bzw. einen Tag vorher. Ziel war es, jedes Mal die Laufstrecke zu erweitern, um zu gucken, wie es läuft und mich ggf. nachzumelden. Über Ostern erzählte ich meiner Schwägerin davon. So ein bisschen „Druck“ aufbauen, könnte vielleicht nicht schaden. Ihre Worte waren: „Sag mal Unknown, manchmal bist du schon ein bisschen 'krank', oder? Da hast du dir was vorgenommen.“ Am Ostermontag legte ich direkt Runde zwei ein, die wie geplant schon ein Stück weiter ging. Vermutlich war es nur Einbildung, aber bei der Runde hatte ich kurzweilig mal das Gefühl schon wieder in alter Höchstform zu sein. Ich war auch erstaunt, dass ich weder nach der 1. Runde noch nach der 2. Runde großen Muskelkater hatte. Es war mehr ein leichtes Ziehen. Das motivierte mich, weil ich dachte, dass sich mein sonst konstantes Lauftraining bezahlt machte und es einfach noch in mir schlummert. Wie weit ich die ersten beiden Runden gelaufen bin, weiß ich nicht. Ich hatte keinen Tracker oder ähnliches dabei, lediglich mein Handy, welches meine Schritte zählte, ansonsten bin ich nach Gefühl gelaufen. Wie gut, dass ich nach Ostern die Woche Urlaub hatte. Als wäre das nicht genug, dachte ich mir, könnte ich meine Kondition zusätzlich mit Fahrrad fahren steigern, wobei ich auch damit schon ewig keine weitere Strecke mehr gefahren bin. Ich verabredete mich 2 Tage später (mittwochs) mit einem Arbeitskollegen. Zu unserem Treffpunkt waren es schon locker 8 Km. Der Weg ging leicht bergauf und es war windig. Fix und fertig kam ich schon am Treffpunkt an und fragte mich unterwegs schon, was ich hier eigentlich mache. Mein Körper war vermutlich auch völlig überfordert von 0 direkt auf 100 so getriezt zu werden. Aber hey, was soll’s, ich bin ja schließlich jung und hatte ein Ziel. Neben meinem Arbeitskollegen wollte ich nicht so abstinken. So fuhr ich mit meinem Kollegen ca. 35 Km und musste die 8 Km auch wieder zurück. Ich bin in Summe knappe 50 Km gefahren. Das merkte ich auch am nächsten Tag (Donnerstag). Eigentlich stand zeitig aufstehen und joggen auf dem Plan. Ich fühlte mich träge, irgendwie etwas kaputt, noch müde und spürte Muskelkater in meinen Oberschenkeln. Ohjeeee – Würde ich heute wirklich noch joggen gehen? Erhielt mein Plan hier schon erste Risse? Kurzweilig hatte ich den Gedanken an den Halbmarathon abgeschrieben. Ich wanderte von meinem Bett auf die Couch, trank Kaffee, guckte 2 Folgen Netflix und berappelte mich. Ehe ich es mir anders überlegen würde, zog ich schnell meine Sportsachen an und flitzte los. ZACK – GESCHAFFT. Wieder ein bisschen weiter. Danach fühlte ich mich überragend. Ich war stolz das mein innerer Schweinehund keine Überhand gewonnen hat. Ich war stolz, dass ich doch noch Ehrgeiz und Disziplin aufbringen konnte. Und so war der Halbmarathon natürlich wieder im Rennen. Es lief besser, als ich es dachte und war von mir selbst begeistert. Theoretisch wären jetzt Samstag und Montag meine nächsten Lauftage. ÜRRASCHUNG: Praktisch hat das nicht funktioniert. Samstag wollte ich mir den Stress nicht machen, weil ich noch Kuchen und Cake Pops fertig gemacht habe, die ich abends für einen Geburtstag benötigte und Montag war das Wetter schlecht, ich war müde, weil ich Sonntagabend noch mit meiner Freundin auf einem Konzert war… . - Ich weiß, faule Ausreden! Wenn du das jetzt denkst, hast du völlig recht. Meine Gedanken: „Ok – Dienstag muss ich unbedingt wieder los gehen. Die Zeit rennt. Ich werde es sonst nicht schaffen.“ Und ich flitzte los. Ca. 14 Km bin ich gerannt in 1:26h. Das war für mich eine recht gute Quote. Ja klar, es war jetzt keine Bestzeit, aber von der habe ich mich seit Beginn verabschiedet. Durchhalten und dabei sein war das Ziel. Nachdem es Dienstag so gut lief, lud ich meine Familie zum Anfeuern ein. Mehr und mehr Leuten erzählte ich von meinem Plan. Ich wollte nicht Gefahr laufen, auf den letzten Metern vielleicht doch noch umzuentscheiden. Bevor ich mir die Blöße gebe oder die Leute denken: „Große Klappe und nichts dahinter“, würde ich eher „tot“ umfallen. Am Mittwoch spürte ich das erste Mal nach meinen Laufstrecken mehr Muskelkater. Ich war unsicher, ob es gut oder schlecht ist, wertete es eher als ein schlechtes Zeichen. Da Donnerstag ein letztes Mal Training auf dem Plan stand, war ich „erleichtert“, dass es Donnerstag bereits wieder weg war. Am Donnerstag schaffte ich 1:50h zu joggen und lag anhand der Schrittzahl vielleicht bei 17km. Ja, du liest richtig. Auch hier habe ich nur Schätzwerte gehabt. Ich habe mir keine Strecke ausgemessen, ich habe keine App heruntergeladen, ich hatte keinen Tracker oder ähnliches. Das Einzige, was ich wusste, war, dass meine kleinste Runde ca. 6 Km betrug. Das hatte ich irgendwann mal „bemessen“. Diese lief ich 2 Mal und baute etliche Schnörkel mit ein. Ich hatte dann ca. 21.000 Schritte auf dem Tacho. Wer weiß, wie viele Km das tatsächlich waren. Nach dieser Runde spürte ich meine Beine direkt. Ich hatte das Gefühl kaum laufen zu können. Mich beschlich kurzweilig die Angst mehrere Tage Muskelkater zu bekommen bzw. vielleicht am Sonntag noch welchen zu haben. Das wäre natürlich ein ziemliches Hindernis. Die Muskeln weiter zu übersäuern und zu strapazieren wäre nicht gut. Ei, ei, ei, … Ich entschied mich ruhig zu bleiben und mich nicht reinzusteigern. Ja, ich hatte am Freitag Muskelkater, aber annehmbar und auch so, dass Samstag alles wieder weg war. Nachdem meine Mama, meine Schwägerin und mein Neffe Bescheid sagten, dass sie kommen und ich auch von Freunden Zuspruch erhielt, entschloss ich mich super selbstbewusst am Samstag (1 Tag vorm Halbmarathon) für den Halbmarathon nachzumelden. Ich glaube, keinem war so richtig klar, dass ich in den letzten Monaten nicht regelmäßig joggen war. Mein Arbeitskollege / Kumpel, jener, der mich daran erinnerte, dass es mein Wunsch / Ziel war und der auch fleißig trainierte, war mit von der Partie. Ich glaube nicht mal ihm war klar, wie meine Trainingskurve(n) in den letzten Wochen / Monaten aussah.
Jetzt bleibt nur noch die Frage offen: Wie ist der Halbmarathon gelaufen? Habe ich es überhaupt geschafft? Ich sage nur so viel: Nachmachen, auf die Art und Weise, wie ich es getan habe, kann ich nicht empfehlen. :D Den Rest erzähle ich dir in meinem nächstem
Eintrag, liebes Tagebuch.
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