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Unterschiede in der Beziehung zu Vater und Mutter

Liebes Tagebuch,


im Spätsommer letzten Jahres wurde ich dazu befragt, inwieweit sich das Verhältnis zwischen Tochter-Mutter und Tochter-Vater unterscheidet. Ebenso wurde ich dazu befragt, ob ich der Meinung bin, dass es zwischen Sohn-Mutter / Sohn-Vater anders ist, als zwischen Tochter-Mutter / Tochter-Vater.


Puh…Was für schwierige Fragen.


Ich persönlich bin der Meinung, dass sich das Verhältnis zwischen Tochter-Mutter und Tochter-Vater schon unterscheidet. Mit Sicherheit kann man zu beiden einen ähnlich guten Draht haben, aber dennoch auf unterschiedliche Weise und in meinen Augen so, dass man einem gefühlt immer etwas näher ist.


Es fängt schon bei Gesprächsthemen an. Themen, wie die Regelblutung, die Anti-Baby-Pille, Hormone, Make Up, Haare und Co., waren für mich immer Themen, die ich lieber mit meiner Mama besprochen habe, als mit meinem Papa. Auch über Männer habe ich lieber mit meiner Mama gesprochen, wobei es durchaus vorkam, dass ich auch meinen Papa zu rate zog. Ganz getreu dem Motto: Er ist ein Mann, er muss wissen, wie Männer ticken. Ging es um handwerkliche Themen, war eher mein Papa mein Ratgeber und Held. Es gibt Gesprächsthemen mit denen geht man eher zur Mama und mit wiederum anderen Themen zum Papa. Und ich denke, dass macht jeder so, je nachdem wo man sich mit einem Thema besser aufgehoben fühlt.


Ob es Unterschiede zwischen Sohn-Mutter / Sohn-Vater zu Tochter-Mutter / Tochter-Vater gibt?Auch hier denke ich: ‚JA‘. Aber vielleicht eher spürbar, wenn man 2 Kinder hat, die eben aus Tochter und Sohn bestehen. Meine Mama sagt immer: ‚Es ist anders mit Mädchen, als mit Jungen.‘ Und ohne selbst Erfahrungswerte zu haben, glaube ich ihr.


Als kleines Kind rennt man sowohl auf Mama, als auch Papa zu. Man kuschelt mit beiden, man gibt beiden ein Küsschen und doch wird oft mehr nach Mama geschrien, als nach Papa. Ausnahmen bestätigen die Regel. Meiner Ansicht nach, sind Töchter meist enger / näher mit ihren Eltern, als Söhne, aber ich kann mich täuschen. Möglicherweise bin ich hier vielleicht auch von meiner eigenen Familienkonstellation geblendet. Ich habe einen Bruder und würde behaupten, dass ich enger / ‚näher‘ zu unseren Eltern bin. Brauche ich Ratschläge würde ich immer unsere Eltern fragen, mal unabhängig davon, ob ich ihre Ratschläge beherzige oder nicht. Ich weiß, dass mein Bruder sich eher selten mal einen Rat abholt und sowas wie Beziehungsthemen gar nicht mit unseren Eltern bespricht. 


Ich glaube, wer zu wem welches Verhältnis hat, ist an viele unterschiedliche Faktoren gekoppelt. Wie wächst das Kind auf? Wer schenkt dem Kind (mehr) Zeit und Liebe? Wer schenkt dem Kind in welchen Themen, welche Aufmerksamkeit? Wer von den Erwachsenen ist vermehrt zu Hause? Gibt es möglicherweise eine Leidenschaft, die Kinder mit einem Elternteil teilen? Gibt es Geschwister oder handelt es sich um ein Einzelkind? Ich glaube deswegen, dass all diese Faktoren eine Rolle spielen, weil für mich tatsächlich meine Mama die Person ist, die mir am Nähesten steht. Mein Papa hat gefühlt rund um die Uhr gearbeitet, weswegen ganz automatisch eher meine Mama immer meine 1. Ansprechpartnerin war. Sie hat mehr Zeit mit mir verbracht und sich dementsprechend auch immer um mich gekümmert. Da mein Papa selbst eine schwierige Kindheit / Teenagerzeit hatte, ist er auch nicht gut darin Gefühle oder Emotionen zu transportieren. In meinen Augen geht er damit ziemlich sparsam um. Auch wenn ich weiß, dass mein Papa mich liebt und alles für mich tun würde, fühlt es sich manchmal anders an. Und natürlich ließ mich das auch näher zu meiner Mama rücken. Ich hatte immer das Gefühl, dass was mir mein Papa nicht an ‚Liebe‘ geschenkt hat, weil er es nicht konnte, hat sie versucht zu kompensieren, in dem sie mir das dreifache an Liebe geschenkt hat. Ich kann dennoch sagen, dass es mir an nichts fehlte und ich in einer intakten Familie aufgewaschen bin. Und natürlich liebe ich meinen Papa trotzdem.


Ich unternehme heute noch vermehrt viel mit meiner Mama und oft alleine. Wir waren auch schon im Urlaub zu zweit. Ich glaube, dass mein Papa sich manchmal fehl am Platz fühlt, was mir irgendwie oft leidtut. Ich versuche ihn mit einzubeziehen, aber er macht es mir dahingehend wirklich nicht leicht. Natürlich gibt es auch Dinge, die mich und mein Papa verbinden. Als ich klein war, hat er immer Heidi mit mir geguckt. Ich wartete nur darauf, dass er nach Hause kam, um sich zu mir zu setzen. Meine Mama hasst Karussell fahren und für mich und meinen Papa konnte es nicht hoch und schnell genug sein. Wir beide lieben schnell fahren und haben beide keinen guten Modegeschmack. Klar, kann man mit mir shoppen gehen, aber ich bevorzuge lieber andere Dinge. Und obwohl ich in einigen Dingen vielleicht eher lieber ein Junge geworden wäre, bin ich doch eher das typische ‚Mädchen‘ bzw. heute eben eine Frau.


Wächst ein Kind beispielsweise in einer Patchwork Familie auf, macht es in meinen Augen einen Unterschied, ob das Kind bei der Mutter oder beim Vater aufwächst und welchen Umgang die getrennten Eltern miteinander pflegen. Bei Alleinerziehenden liegt der Fokus, des Kindes eher auf dem alleinerziehenden Elternteil, so dass das Kind hier nicht wirklich die Chance hat, ein Verhältnis zu beiden aufzubauen.



Alle Menschen sind verschieden, so auch Kinder. Erziehungsstile sind verschieden und Interessen, genau wie Charaktere formen sich im Laufe des Lebens. So auch das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern. Nehme ich andere Beispiele wie Arbeitskollegen oder Freunde, kann ich sagen, dass ich nicht zu jeder Freundin dasselbe Verhältnis habe. Es mag ähnlich sein und dennoch fühle ich mich einer Freundin näher, als einer anderen. Noch ein Grund, der meine Meinung verstärkt, dass die Verhältnisse zwischen Tochter-Mutter / Tochter-Vater, genauso die Verhältnisse Sohn-Mutter / Sohn-Vater vs. Tochter-Mutter / Tochter-Vater unterschiedlich sind. Ob es tatsächlich Unterschiede gibt und wo diese liegen, muss wohl jeder für sich selbst beurteilen und herausfiltern. Ich glaube nicht, dass man das pauschal sagen kann.

 
 
 

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